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207°

Benno Bittlmayer
Hauptthema Design for Manufacturing

Betreuung: Prof. Hatto Grosse


Vieles erscheint nur solange selbstverständlich, bis man es in Frage stellt. So auch die Fortbewegung und ihre vielen Prinzipien. Überall schlängelt und hüpft, flattert, gräbt, schwimmt und schwebt es in »der Natur«. Der zivilisierte Mensch in »seiner Natur« aus Parkett, PVC, Asphalt, Glas und Granit - steht auf Räder, denn die sind hier am effizientesten. Es bedarf also schon etwas Mut, das »normale«, altgediente Prinzip des Wagenrades vom Thron zu stoßen. Und das dürfte auch nicht so leicht von statten gehen. Erst intensive Internetrecherche, dann stapelweise Skizzenpapier dicht gefolgt von Schaschlikspieß-Strukturen, grimmiges und geistreiches Klicken und Tippen, mahnende und mutmachende Gespräche, Neuanfänge. Die geschlossene »Lauflinie« und endlich: VoilÜ !


Ein Rad für jede Richtung

Bisherige Lösungen versuchen auf mehr oder weniger brauchbare Weise die Kugel in einen Käfig zu sperren, um Objekte in jede Richtung zu bewegen.
Seit wenigen Jahren erst sind integrierte Schaltkreise leistungsfähig genug für die Ausführung dynamischer Stabilisierung. Erst niedrige Preise bringen die Technik aus dem Labor in Form von Produkten auf die Straße. So ist es nach Schwebeglobus, X-UFO und Segway jetzt höchste Zeit für ein omnidirektionales Stadtfahrzeug. Mit anderen Worten: Bewegung nach Lust und Laune in alle Richtungen. Dies ist die exemplarische Anwendung eines dynamisch stabilisierten Allseitenrades in einem ungewöhnlich platzsparenden Stadtfahrzeug.

Scharfe Kurven …

Wie siehts aus? Um ein so neuartiges Fahrzeug darzustellen, ist eine Skizze nicht immer ausreichend. Verschiedene Techniken wie Digitalcollage, Raytracing oder partielles CNC-Fräsen wurden eingesetzt um ästhetische Aspekte zu diskutieren und Bewegungsabläufe zu überprüfen. Daraus entsprang schließlich eine zukünftige Variante mit Doppelrad und Neigetechnik für verbesserte Bodenhaftung - in scharfen Kurven.

Das Ganze ist ein System, das geschickt Ressourcen teilt und Nutzen aus der weiterentwickelten Elektronik und Energietechnik zieht. Bei Bremsvorgängen wird Energie zurückgewonnen und Schnelladeakkus machen aus der Schlaf- eine Kaffeepause.
Das durchgehend elektronische Steuerungskonzept und die Fähigkeit eben auch seitwärts zu rollen, ergeben eine Reihe von weiteren interessanten Optionen. Die virtuelle Verbindung mehrerer Fahrzeuge zu einer Gruppe, etwa um sperrige Objekte zu befördern oder auch zu mehreren Personen eine Besichtigungsfahrt zu unternehmen. Beliebt scheint auch die "Fahre mit und trag' meine Einkaufstaschen" Idee. Bei Konfigurationen mit mehreren Rädern entstünden weitere erstaunliche Konzepte. All das bedarf jedoch separater Studien und verlässt hier leider schon den Rahmen der Arbeit.

 
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