Köln
International
School
of Design

Wie schnell wird der Akkuschrauber?



Akkuschrauberrennen!

Akkuschrauberrennen! Hinter diesem Schlagwort verbirgt sich ein wiederkehrender Wettbewerb unter Studierenden aus verschiedenen Hochschulen der Fachrichtungen Design sowie Ingenieurwesen. Veranstaltet wird das Rennen von Studierenden und Lehrenden der HAWK Hildesheim. Als Antriebsquelle für ein zu gestaltendes Renngerät dienen Akkuschrauber, gesponsert von entsprechenden Herstellern solcher Geräte.

2009: erstmals geht ein Team der Köln International School of Design an den Start. Bei diesem Semester-Projekt ging es um die Gestaltung eines wettbewerbsfähigen Fahrzeugs im Rahmen eines Design- Prozesses.

Unter dem Zeitdruck von nur fünf Arbeitswochen mussten die Studierenden Entscheidungen treffen und die daraus resultierenden Konsequenzen tragen: Welche Materialien eignen sich zum Bau des Fahrzeugs hinsichtlich seiner Stabilität, Funktion, äußeren Erscheinung und Wahrnehmung? Zur Diskussion standen symbolträchtige Werkstoffe aus der Raumfahrt, wie Carbon, Aluminium oder Titan. Die Wahl fiel schließlich auf Sperrholz. Aus diesem Material werden Seifenkisten gebaut, aber auch britische Sportwagen, Flugzeuge und Schiffe.

Die Studierenden fertigten den Prototyp in den Werkstätten der KISD.  Während der Veranstaltung erreichte das Fahrzeug bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen auf der Piste in Form einer liegenden Acht mit Steilkurve eine Geschwindigkeit von 23 km/h. Sein Fahrer verfehlte nur knapp einen Platz auf dem Podest. Der Gewinn der beteiligten Studierenden liegt vor allem im Bereich von Sensibilisierung, Haltung und Erkenntnis gegenüber Elektromobilität und zukünftig denkbaren Anwendungen.

2011: erneut kommt es zum Showdown der Akkuschrauber und die KISD geht wieder an den Start. In den Werkstätten geht es zur Zeit, trotz Beginn der Semesterferien, heiß her. »Vorsicht! Pass auf, dass das Kugellager nicht zu heiß wird!« Grund für die ganze Aufregung ist der aktuelle Entwurf für das Fahrzeug, mit dem die KISD am 28. Mai 2011 an dem mittlerweile legendären Akkuschrauberrennen der HAWK Hildesheim antreten wird.

Gleich zwei Teams der KISD konnten sich für das populäre Spektakel qualifizieren, bei dem Studierende aus gestalterischen Studiengängen dazu aufgerufen sind, mit ihren selbst entworfenen und gebauten Fahrzeugen an den Start zu gehen. Die Fakultät Gestaltung der HAWK Hildesheim richtet das außergewöhnliche Rennen bereits zum siebten Mal aus. Einzige Antriebsquelle für jedes teilnehmende Team ist ein herkömmlicher 18V Akkuschrauber Typ PSR 18 LI-2 der Marke Bosch Powertools.

Die Teams können in diesem Jahr nicht nur durch Tempo und Design punkten, sondern auch durch innovativen Leichtbau. »Leichtbau und Effizienz stehen diesmal im Fokus der Arbeit«, so Professor Hatto Grosse, der das Projekt an der KISD betreut. »Wir haben ja bereits im Jahr 2009 teilgenommen, hatten aber vom ersten Entwurf bis zum Rennen nur fünf Wochen Zeit«. Trotz des zeitlichen Drucks konnte das Kölner Team einen der vorderen Plätze belegen. »Nun haben wir deutlich mehr Reserven. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dieses Jahr einen Platz auf dem Podium ergattern können«, erklärt Grosse optimistisch. Dass dies mehr als nur Motivation für die Studierenden ist, zeigt ein Blick auf die ersten Prototypen. Bereits in diesem frühen Stadium erreichen die »Boliden« erstaunliche Geschwindigkeiten. »Wir hätten selbst nie geahnt, dass diese kleinen Dinger so viel Energie freisetzen«, erklärt einer der Studierenden während er mit der Hand anerkennend auf einen der grünen Akkuschrauber deutet.

Bei dem Projekt geht es allerdings im Sinne der Lehre um weit mehr, als um einen ungewöhnlichen Flitzer. »Es geht mir um die Vermittlung und um ein Gefühl für die Dimensionen im Hintergrund und die daraus resultierenden Konsequenzen,« erläutert Prof. Hatto Grosse. »Wir haben gelernt, welches Gewicht und Volumen ein Liter Wasser oder Milch haben, wie es sich anfühlt, mit einem 100 PS-Turbodiesel zu fahren und auch die Leistung einer Glühbirne gemessen in Watt ist noch vorstellbar. Aber was es energetisch bedeutet, einen 1500 Watt Staubsauger 15 Minuten zu betreiben, das bleibt relativ abstrakt. Wer weiß schon, was eine Kilowattstunde ist. Und was es bedeutet, etwa 2000 Watt für einen Wasserkocher ständig verfügbar zu haben. Von dem Betrieb von Industrieanlagen ganz zu schweigen. Es geht um elektrische Leistung, um das Erzeugung von Elektrizität und Möglichkeiten Elektrizität zu speichern. Und es geht um ein kritisch reflektierendes Verhältnis dazu.«

Dies alles sind Schlüsselbegriffe für Verständnis, Sensibilisierung und für eine verantwortliche Haltung im Umgang mit zukünftigen Formen der Mobilität. Die Auseinandersetzung lässt sich im Projekt gut durch Ansprache des «Spiel und Jagdtriebes« vermitteln und bleibt dadurch bei den Studierenden nachhaltig in Erinnerung. »Einerseits erstaunlich, dass wir seit Tagen mit dieser kleinen Bohrmaschine Runde für Runde im Hof der KISD fahren. Auf der anderen Seite auch erstaunlich und dann durchaus frustrierend, wie schnell diese Handvoll Batterien leer sind, wenn es darum geht, einen 70 kg schweren Studenten (oder eine 50 kg schwere Studentin) zu transportieren. Wie viel "Fahrzeug" ist wirklich nötig? Ich fühle mich beim gegenwärtigen Anblick unserer Entwürfe bisweilen zurück versetzt in die Anfänge der Mobilität, als die Komponenten rar, gleichermaßen die Visionen hoch waren,« ergänzt Grosse nachdenklich.

Veranstaltungsort war der große Hangar des Flugplatz in Hildesheim, dessen eigene Atmosphäre die geeignete Kulisse für die Jagd der Studierenden nach dem ersten Platz bot. Bei dem einzigartigen Event waren mehr als 2000 Gäste und zahlreiche Vertreter der Presse anwesend.

Mit einer Bestzeit von 1:07,3 Minuten auf einer Strecke von 360 Metern gewann das Team der Hochschule Emden-Leer. Die KISD konnte leider wegen einer überfahrenen Linie und einer Strafzeit von 10 Sekunden trotz "mit 1.15 irgendwas der zweitbeste Zeit der Finalläufe" lediglich den 10. Platz belegen. Aber nicht nur die Geschwindigkeit war für den Sieg entscheidend. Gewertet wurden auch das Gewicht und die Meinung einer Fachjury und des Publikums. Der Sieger in der Kategorie Fahrzeuggewicht waren "Hamburgs leichte Jungs" mit vier Kilogramm, zweiter wurde das Team aus Coburg und dritter die Studierenden der KISD mit dem Team »E-bow« mit 6,3 Kilogramm.

Vom 1.6.-5.6.2011 wurden alle Fahrzeuge des Akkuschrauberrennens in Originalgröße auf dem DMY in Berlin-Tempelhof gezeigt.

Lesen Sie dazu auch den Artikel auf wdr.de unter www.wdr.de/themen/verkehr/1/akkuschrauber_rennen/index.jhtml

 


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