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Kölner Design Preis 2010Es ist wieder so weit. Mit der Präsentation der Abschlussarbeiten werden auch die Namen der Absolventen, die für den Kölner Design Preis 2010 nominiert sind bekannt gegeben. 11 Arbeiten werden von der KISD in diesem Jahr für die Auszeichnung vorgeschlagen. Am 29. Oktober 2010 werden die Gewinner im Museum für Angewandte Kunst (MAK) bekannt gegeben.
Doreen Toutikian – Designausbildung im Mittleren Osten doreen@kisd.de
Als Ergebnis jahrelanger politischer, ökonomischer und kultureller „Unruhen“ befindet sich Design und speziell die Ausbildung im Design im Mittleren Osten noch in den Kinderschuhen. Die folgende „Thesis“ / Arbeit vermittelt eine allgemeine Beschreibung der Region durch eine kurze Zusammenfassung jener geschichtlicher Ereignisse, die für die aktuelle Situation entscheidend sind. Besonders wird hierbei auf Katar, den Libanon, Ägypten und den Iran eingegangen. In Doha, Beirut, Kairo und Teheran werden bestehende Hochschulen mit dem Schwerpunkt Design durch die dort etablierten Lehrpläne und Lehrmethoden analysiert. Interviews mit Professoren und Studenten werden durchgeführt und beispielhafte Projekte vorgestellt. Die dazu gehörige Auswertung dessen wurde hinzugefügt.
Anschließend wird eine Auswahl der berühmtesten und progressivsten Designhochschulen zum globalen Vergleich von Standards vorgestellt (KISD, The New School, und Eindhoven Academy). In einem Fallbeispiel wird in Beirut mit Professoren und Studenten ein Projekt über Public Design Intervention durchgeführt, um das „Design Thinking“ vor dem dortigen kulturellen Hintergrund zu beleuchten. Mehrere kulturelle Aspekte der Gesellschaft im Mittleren Osten wurden beobachtet, um daraus einen Leitfaden für einen neuen Designlehrplan zu erstellen.
Judith Dörrenbächer – Ungewohntes / Oddities judith.d@kisd.de
Der Kippmoment, das Störereignis, der Irritationsvorfall – plötzlich geraten gewohnte Konstrukte ins Wanken. Kaleidoskopisch fällt das in sich zusammen, was zuvor starr und real erschien. Offenheit und Vieldeutigkeit – Alternativen blitzen auf. Und ein neues, bald schon gewohntes Muster bildet sich. Diese Arbeit ist in drei theoretische Teile untergliedert: „Konstruktion“ – hier entstehen aus diffusem, unklarem Nebel, aus formlosem, komplexem Chaos klare Struktur und eindeutiger Sinn. Es bilden sich Konventionen, Normen und Zeichen, die Halt, Kontrolle und Sicherheit versprechen. Gewohntes wird konstruiert. „Dekonstruktion“ – hier brechen gewohnte Strukturen. Verwirrung, Unsinn, Desorientierung, Bewegung kommt ins Spiel. „Dazwischen“ – Entwicklung durch Brechung und Setzung. Ein ständiges Auspendeln zwischen Polen. Neben einer theoretischen Auseinandersetzung wurden ästhetische Taktiken sowohl zur Konstruktion von Gewohntem als auch zur Dekonstruktion von Gewohntem erarbeitet und eine begehbare Experimentierstrecke umgesetzt, in der Gewohntes auf den Kopf gestellt und Improvisation, Irritation und Umdenken provoziert wird.
Johanna Risch – Schlange stehen / Queuing hanna.r@kisd.de
„Die Frustration des Wartens erträgt niemand gern. Aus diesem Grund versucht man seit jeher, das Warten effizienter zu machen.“ (John Maeda) Wir warten im Durchschnitt fünf Jahre unseres Lebens in den unterschiedlichsten Situationen und Orten. Einen großen Teil davon verbringen wir in Warteschlangen. Sicherlich wird die Warteschlange in ihrer Form nie ganz aus unserem Alltag verschwinden, schon allein deshalb, weil sie oftmals als Qualitätsindikator verschiedener Institutionen dient. In dieser Arbeit geht es im Wesentlichen darum, die Wartezeit interessant zu gestalten und für den Wartenden erlebbar zu machen. Der passive Zustand des Wartens soll zu einem aktiven Vorgang umgewandelt werden, mit dem erstmals positive Eigenschaften in Verbindung gebracht werden können. Alle Konzepte basieren auf anwendungsorientierten Methoden zur Strukturierung der Wartezeit. So ist die Transparenz der verbleibenden Zeit ebenso wie die schöpferische Tätigkeit im „zeitfreien Modus“ und die Interaktion unter den Wartenden eine Strategie, welche als Entwicklungsgrundlage der Entwürfe dient. Die Konzepte stellen exemplarische Gestaltungsansätze für den urbanen Raum dar und können an unterschiedlichen Orten umgesetzt werden.
Carolina Garzon Mrad – Haptic Bond Effekt mrad@kisd.de
Die Eigenschaften des Tastsinns und die damit verbundene haptische Wahrnehmung geben uns ständig Feedback über unsere Umgebung. Doch die Fähigkeiten des Tastsinns gehen weit darüber hinaus. Werden Buchstaben erfahrbar für den Tastsinn gemacht, können Verknüpfungen zwischen Laut und Bild einfacher erfasst werden. Dieser Effekt wird Haptic Bond Effekt genannt. Macht man sich diesen Effekt zu Nutze, kann man zum Beispiel das Lernen des Alphabets vereinfachen. Bei Kindern wird dies heute schon angewandt, bei Erwachsenen allerdings noch nicht. Basierend auf dem Konzept des Haptic Bond Effekts wurden zwei Produkte für zwei unterschiedliche Zielgruppen entwickelt: zum einen für erwachsene Analphabeten und zum anderen für Erwachsene, die eine Fremdsprache mit einem neuen Alphabet erlernen wollen. Das erste Produkt besteht aus einem Kartenset mit geprägten Buchstaben. Dieses Kartenset soll unter anderem als Hilfsmittel bei Alphabetisierungs- Kursen angewandt werden. Beim zweiten Produkt handelt es sich um einen Tablett mit haptischem Display und einer integrierten Sprachlernsoftware. Diese kann Buchstaben mit einer für den Finger erfahrbaren Textur versehen.
Svenja Brüggemann – Teilung / Division svenja@kisd.de
Herausgezoomt ist die Welt ein Flickenteppich aus Rastern und Teilungen. Meere und Flüsse sind einerseits Voraussetzung für eine weltumspannende Mobilität, andererseits teilen sie, setzen Grenzen, schaffen unverrückbare Barrieren. Teilung hat neben politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auch eine emotionale und soziale Komponente. Das zeigt sich etwa beim Teilen von Essen oder Gütern. Auch im Design und in der Architektur bedarf es einer schlüssigen Teilung, die einzelne Teile miteinander in Beziehung setzt, Oberflächen strukturiert und bedienbar macht. Teilen trennt und verbindet. Diese grundlegende Erkenntnis visualisiert das experimentelle Konzept „207 nm“. Es nutzt die magnetische Kraft als teilende Verbindung, die keine Spuren hinterlässt. Das Kleidungsstück ist mit Magneten durchwebt und trotz eines einzigen Schnittes individuell anpassbar. Die Kleidung kann offen und leger getragen werden, bietet aber zugleich Schutz- und Rückzugsmöglichkeiten. Sie verkörpert damit die trennende und gleichzeitig verbindende Wirkung von Teilung. In der Zukunft ist aufgrund technischer Entwicklungen absehbar, dass magnetische sowie reversible Eigenschaften von Stoffen und Materialien einfach genutzt und vielfältig anwendbar werden.
Olga Epikhina – Symbiose und Parasitismus olga.e@kisd.de
Diese Arbeit schlägt ein innovatives Szenario im Feld des nachhaltigen Designs vor. Es gründet auf Prinzipien, die als „symbiotisch“ oder „parasitär“ (als Art einer symbiotischen Beziehung) bezeichnet werden. Das Ziel ist die Gestaltung von Produkten und Systemen, die „existieren“, da sie ihre Energie aus Materialien und energetischen Ressourcen beziehen, welche als Überschuss oder Abfall aus komplexen Systemen resultieren. Diese Systeme sind symbiotisch in verschwenderischen Systemen wie Kaufhäusern oder Industrie- und Bürogebäuden integriert, um Wärmeverluste sowie Wasser- und Materialverschwendungen auszugleichen. Diese Arbeit kommuniziert die Symbiose als ethische Botschaft und appelliert an das Bewusstsein über den Wert von Ressourcen. Das Ziel liegt in der Gestaltung von nachhaltigen Produkten und Systemen, welche Nachhaltigkeit kommunizieren und dabei gleichzeitig eine möglichst breite Masse ansprechen, um das gesellschaftliche Konsumverhalten sowie die Lebensweise zu beeinflussen. Dieser Ansatz geht über die Einsparungen von Ressourcen durch einzelne Produkte hinaus. Der Wert dieser Konzepte ist von erzieherischer Art und soll möglichst viele Menschen über die Irrationalitäten der Verschwendung bestimmter Abfälle oder Ressourcen sensibilisieren. Auf kritische und konstruktive Weise wird auf Unausgewogenheiten und Ungleichheiten hingewiesen, die zwar sichtbar sind, aber nicht wahrgenommen werden.
Sandra Vollbach – Loch, Löcher und ums Loch herum vollbach@kisd.de
Eine dialektische Analyse des Lochs: Befasst man sich nun mit dem Dasein des Lochs liegt die Frage nach dessen „Sein“ oder „Nicht sein“ nahe. Das Loch, so könnte man meinen, besteht in erster Linie aus „Nichts“. Dennoch kann es nur durch den Rand als solches erkannt und definiert werden. Das Loch beinhaltet somit das „Nichts“ und „Sein“. Diese Polaritäten bestehen nebeneinander, ohne ineinander überzugehen. Polaritäten sind Gegensätze, die einander bedingen. Es gibt keinen Tag ohne Nacht, kein Heiß ohne Kalt, keine Armut ohne Reichtum, kein Schwarz ohne Weiß und eben kein Nichts ohne Sein. Diese nebeneinander bestehende Gegensätzlichkeit ist es, welche das Loch zu einem besonderen Phänomen macht und Grund dafür war, dieses einmal genauer unter designspezifischen Gesichtspunkten zu betrachten. Im Mittelpunkt der Arbeit stand neben der Anlayse des „konkreten“ Lochs ebenfalls die Auseinandersetzung mit Löchern und deren Bedeutung für den Menschen. Entstanden sind experimentelle Produktbeispiele, die das „Loch-Prinzip“ veranschaulichen sollen (siehe Abbildung „Schlupflochjacke“).
Martin Moll – Sensoren Sensorik m.m@kisd.de
Ohne Sensoren wäre Evolution kaum denkbar gewesen. Biologische Sensoren helfen uns, unsere Umwelt wahrzunehmen und auf äußere Einflüsse schnell und gezielt reagieren zu können. Durch die Entwicklung technischer Sensoren sind wir in der Lage, unsere Umwelt noch präziser, vergleichbarer und zuverlässiger wahrzunehmen. Längst wird unser tägliches Leben durch Sensoren und deren Messergebnisse bestimmt. Präzise Messdaten sind im Handwerk unverzichtbar. Zur Erfassung dieser Daten gibt es bereits eine Fülle unterschiedlichster Messgeräte. Und dennoch ist das präzise Messen aller Winkel und Längen eines simplen Raumes aufwändig und zeitintensiv. Mit einem Sensor- Netzwerk ausgestattet, dessen Sensoren untereinander ihre Messdaten vergleichen und so präzise Ergebnisse liefern, ist LOU (Laser/optisch/Ultraschall). LOU hilft Handwerkern schnell, alle relevanten Daten eines Raumes aufzunehmen. Diese Daten können dann unmittelbar digital weiter verarbeitet werden. Die digitale Aufbereitung dieser Daten ist heute sowohl bei zunehmender CAD Steuerung von Maschinen als auch bei der Kommunikation mit dem Kunden nahezu unverzichtbar geworden. Zudem kann LOU nicht nur Daten aufnehmen, sondern auch mittels Laser-Projektionen visualisieren.
Till Beutling – Gendered Spaces Kairo tb@kisd.de
Versteht man Gender als Strukturprinzip, so ist es logisch, dass Gender jede Handlung und damit auch die Zugänglichkeit zu Räumen determiniert. Denn es entspricht der Wesenhaftigkeit des Raums, sein „Innen“ in Abgrenzung zu einem „Außen“ zu definieren. Die Raumsoziologie hat mit der Neufassung der Begrifflichkeit des relationalen Raums ein Analysekriterium geschaffen, welches die vormals als partikulare Einzelphänomene beschriebenen Beziehungen zusammenhängend erklären kann. Exemplarisch wurde dieser Ansatz in der vorliegenden Arbeit an der Konstitution von Räumen im interkulturellen und geschlechtsspezifischen Kontext am Beispiel der Stadt Kairo überprüft. Die Forschung erfolgte dabei in Kooperation mit StudentInnen des Fachbereichs Design der German University Cairo. Als Ergebnis formuliert diese Arbeit zum einen Einblicke in kulturspezifische Konzepte von Geschlecht in Kairo, zum anderen konnte nachgewiesen werden, dass sich ein raumsoziologischer Ansatz als neuartige Form der Bedarfsanalyse eignet. Die Arbeit dokumentiert die angewandte Methodik, den Prozess und die Ergebnisse der Feldforschung und formuliert auf dieser Basis Design-Konzepte, die im öffentlichen Raum wirksam sind.
Marc Pfaff – Bewegung im Raum / Movements in space pfaff@kisd.de
Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine theoretische und empirische Untersuchung des gelebten Raumes unter dem Gesichtspunkt gegenwärtiger Mobilitätsstrukturen. Ausgehend von der Annahme, dass die moderne Lebenswelt in einer besonderen Weise durch die Entwicklung und den Gebrauch von Fahrzeugen geprägt ist, wurden unterschiedliche Aspekte der Raumerfahrung in der Fortbewegung analysiert: Die Veränderung und Verfestigung eines Raumes im Verlauf von dessen Aneignung, beginnend mit der ersten Ortserkundung; die besondere Form, die der erfahrene Außenraum in der Fortbewegung mit maschinellen Transportmitteln erhält; der Aufenthalt in den Innenräumen der Fahrzeuge, die eine eigentümliche Kommunikation und Selbsterfahrung bedingen; Besonderheiten der Raumerfahrung beim Autofahren unter dem Gesichtspunkt, dass die aktive Steuerung hier zu einer Form der Verschmelzung des Leibes mit dem Gefährt führt; und schließlich die Frage, mittels welcher Gestaltungen und Techniken es jeder und jedem Einzelnen gelingt, die qualitativ differenten Erfahrungsräume der unterschiedlichen Weisen der Fortbewegung zu verbinden und in ein konsistentes Weltkonstrukt einzuordnen.
Kirsten Luley – RDKTN Kirsten@kisd.de
Nicht erst seit der Industrialisierung nimmt die Alltagskomplexität stetig zu. Es häufen sich Produkte und Dienstleistungen, die individuelle Wünsche befriedigen und in immer schnelleren Produktionszyklen auch die aktuellsten Trends bedienen. In diesem manchmal aufregenden und ermüdenden Gewirr finden sich über die Jahre allerdings immer wieder Produkte und Lösungen von reduzierter Einfachheit. Sei es in Kunst oder Architektur, in Mode, Musik, Literatur, Grafik oder Design. Reduktion spielt in sämtlichen Prozessen unseres Alltags, der Umwelt, Wirtschaft und Kommunikation, eine wichtige Rolle. Diese Arbeit beleuchtet die verschiedenen Bedeutungsdimensionen der Reduktion und stellt fest: Reduktion ist eine Reaktion auf zu viel Überfluss. Überfluss ist eine Reaktion auf zu viel Reduktion. Das richtige Maß an Reduktion ist schwer ausdifferenzierbar und individuell verschieden. Maßvolle Reduktion dient der Vereinfachung, Verständlichkeit und Bedienbarkeit, schafft Vertrauen und Sympathie. Eine durchdachte, nachhaltige und ganzheitliche Reduktion ist wichtig für Mensch und Umwelt. Aufgrund dessen stellt kein weiteres Produkt, sondern ein „Erkenntnispfad“ zum Thema Reduktion den Abschluss dieser Arbeit dar.
Der Kölner Design Preis
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