Kerstin Boldt, Kölner Stadt Anzeiger, 17.01.2001
Fachhochschule Köln kürt Japanerin Motoko Ishii zur Designerin des Jahres
Wenn abends in Japan die mittelalterliche Burg von Osaka magisch weiß aufleuchtet und beeindruckende Brückenbögen sich in strahlend blaue oder grüne Erscheinungen verwandeln, dann verdanken diese Bauten ihre Verwandlung Motoko Ishii. Die Licht-Designerin gibt vor allem in ihrer Heimat vielen berühmten alten Gebäuden, ganzen Stadtteilen und ultramodernen Bauten ein nächtliches Erscheinungsbild, das sich vom Anblick bei Tag spektakulär unterscheidet.
Für ihre Kunst, verborgene Seiten der Architektur ins rechte Licht zu setzen, wurde sie mit internationalen Preisen überhäuft. Der japanische Kaiser selbst zeichnete sie mit dem höchsten Orden aus, den das Kaiserhaus zu vergeben hat. Die Studenten des Kölner Fachhochschulbereichs Design wählten sie zur wichtigsten Designerin des Jahres und ehrten sie mit dem Design-Preis »Kölner Klopfer«. Zur besonderen Freude der Studenten und der Professoren Uta Brandes und Michael Erlhoff reiste die Japanerin eigens aus Tokio an, um gestern im Blauen Salon der Messe den goldenen Hasen selbst aus der Hand der bei den Studentinnen, die sie vorgeschlagen hatten, entgegenzunehmen: »Für mich ist es besonders rührend, eine Ehrung von der Jugend zu erhalten.« Auf dem Weg nach Köln hatte sie eine Zwischenlandung in Paris gemacht, dort betreibt die Tochter ein eigenes Beleuchtungsbüro.
In Köln ist sie nicht zum ersten Mal. Nach ihrem Design-Studium in Japan – sie war die erste Frau in diesem Fachbereich – arbeitete Motoko Ishii ein Jahr in Helsinki und dann in Düsseldorf bei der Firma Licht im Raum. Das war 1967. Der Kölner Dom hatte sie schon damals gelockt. »Ich erinnere mich an eine wunderbare Christmette, und es war sehr kalt in der Kathedrale.« Erfreut hörte sie von Beleuchtungsplänen für die Kölner Brücken und sprudelte sofort los: »Darüber habe ich schon viel nachgedacht. Diese Brücken, das Rheinpanorama und der Dom sind so wunderschön. Das ist ein Schatz für die Stadt. Gerade im 21. Jahrhundert, wenn die Menschen auch nachts arbeiten und unterwegs sind, muss man solche Orte würdigen.«
Und so teuer, wie oft behauptet werde, sei die Beleuchtung von Bauwerken nicht: »In unseren Büros suchen wir immer nach technischen Möglichkeiten, die wenig Energie verbrauchen. Wir arbeiten viel mit Solarzellen.« Besonderen Spaß macht Motoko Ishii jedoch das Spektakel am Bau. Die Wiener konnte sie schon begeistern. Sie überzog das alt-ehrwürdige Rathausgemäuer mit einer schrillen Laser-Light-Show.