| Home |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Im Westen was NeuesDesign Report, 1/2003 Das »Kölner Modell« feierte unlängst elften Geburtstag, und aus dem Fachbereich Design der Fachhochschule Köln wurde die Köln International School of Design: Bericht aus einer Reformwerkstatt, die Ausbildungsdiskussionen in den 90er Jahren nachhaltig prägte und sich nun im internationalen Wettbewerb der Designhochschulen neu positionieren möchte. Wenn es die Bewerberzahlen wären, die über Erfolg oder Misserfolg eines Ausbildungskonzeptes entscheiden, könnte die Köln International School of Design (KISD) gelassen in die Zukunft blicken. Den über 1.000 Bewerbungen jährlich stehen die ungefähr 60 »happy few« gegenüber, die das Aufnahmeverfahren überstehen und die schwere Tür am Kölner Ubierring als Studierende öffnen dürfen. Die Offenheit des Kölner Modells, das eine umfassende Ausbildung in zahlreichen, teilweise neu definierten Gebieten des Designs anbietet und von den Studierenden Leistungen in mindestens zehn der zwölf Lehrgebiete erwartet, war in den Jahren nach der Gründung 1991 umstritten und stößt auch heute noch auf Skepsis. Während sich an anderen Hochschulen das in Köln gepflegte Prinzip des Arbeitens an semesterübergreifenden Projekten statt in Klassen mehr und mehr verbreitet und der Begriff »Interdisziplinarität« in allen wissenschaftlichen Fakultäten längst einen zauberhaften Charme besitzt, kehren manche Vorwürfe immer wieder: oberflächliche Generalisten, Dummschwätzer oder geniale Dilettanten für einen Arbeitsmarkt auszubilden, der diesen allenfalls mit Irritation begegnet – das sind Variationen über ein elf Jahre altes Thema. Man hat gelernt, mit diesen Vorwürfen zu leben und ihnen ein trotziges, nicht selten in rhetorisches Pathos gekleidetes Selbstbewusstsein entgegenzusetzen: viel Feind, viel Ehr. Arbeit am MythosAus der Not eine Tugend zu machen, flexibel auf Situationen zu reagieren – dieses Handlungsmodell begleitete die Geburtsstunde des Fachbereichs Design und wird auch an der KISD weiter mit aller Chuzpe gepflegt. Wurden die inzwischen etablierten einwöchigen Intensivseminare mit internationalen Gastdozenten wie Tom Hardy, Jasper Morrison, David Small oder Erik Spiekermann aus dem einfachen Umstand geboren, dass der damalige Fachbereich noch nicht alle Dozenturen besetzt hatte, so wurde 2002 statt des verpassten zehnten Geburtstags der elfte mit einer am 11.11. beginnenden Veranstaltungswoche gefeiert und somit dem Standort, seiner Lieblingsjahreszeit und -zahl Referenz erwiesen. Der modische Titel »Kiss Design« markierte ein Sechs-Tage-Turnier in den Disziplinen »sehen, schmecken, fühlen, denken, lehren, feiern«, das die ganze Lebendigkeit, Diskutier- und Partyfreude des Kölner Modells unter Beweis stellte. Bei den unterschiedlichen Veranstaltungen, vom Kochevent mit Johann Lafer über zahlreiche renommiert besetzte Diskussionsrunden bis hin zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung, stach eines klar hervor: der Enthusiasmus, der zupackende Pragmatismus der Kölner Studierenden. Konzeptuelle Kompetenz, wie sie in Köln gefördert, gefordert und in lesenswerten Jahrbüchern und archivierten Diplomarbeiten erlebbar wird, schließt dies nicht aus. Da gibt es freiwillige Arbeitsgemeinschaften wie die Presse- oder die Evaluations-AG, da mobilisiert sich eine ganze Hochschule zu inzwischen traditionellen Projekten zur Kölner Möbelmesse – die (auch zeitlichen) Anforderungen an die Kölner Studierenden sind hoch. Überhaupt erfordert das Studium in Köln eine gehörige Portion Durchsetzungsvermögen, Motivation und letztendlich eine selbst gewählte Schwerpunktsetzung. Die bewusst nicht disziplinierte disziplinäre Bandbreite der Lehrgebiete, von Interface Design über Design Management bis hin zu dem in Deutschland einzigartigen Lehrstuhl für Geschlechterverhältnisse im Design, erfordert von den Studierenden die Fähigkeit, sich selbst durch dieses fast ozeanische Feld zu navigieren, wenn die professoralen Lotsen auch mit Unterstützung und Ansporn zur Seite stehen. Selbstbewusstsein einer Profession zu vermitteln, die immer noch unter Legitimationsdruck steht – dieser Scheck für die Zukunft wird in Köln gerne ausgestellt; an der individuellen Deckung müssen die Studierenden allerdings selbst hart arbeiten. Gerade wenn sich angesichts einer angespannten wirtschaftlichen Situation die Headhunter auch in Köln nicht die Klinke in die Hand geben und eine raue Brise den Absolventen ins Gesicht bläst. Die Zeit der Zärtlichkeiten ist vorbei. Umbau auf offener See»Wir wissen, dass das Kölner Modell erfolgreich ist. Gleichwohl findet bei der Besinnung auf das, was wir besser machen können, eine Diskussion unter dem Schlagwort »Von Lehrgebieten zu Themenfeldern« statt«, umreißt Philipp Heidkamp, Professor für Interface Design und Direktor der KISD, eine der beiden Strategien zur Schärfung des künftigen inhaltlichen Profils. »Wir setzen uns natürlich mit der Frage auseinander, wen wir eigentlich ausbilden möchten. Ein Ansatzpunkt wäre die Ausbildung von Designern, die formale Lösungen für informelle Probleme anbieten. Hier muss die Diskussion ansetzen.« Mit der Zusammenarbeit verschiedener Lehrgebiete an einem temporär zu definierenden Themenfeld – Heidkamp nennt »Arbeit« oder »Gesundheitswesen« als mögliche Kandidaten – soll strukturiert gefördert werden, was im Alltag längst praktiziert wird. Dazu gehört auch die mögliche Gründung von Instituten, die Forschung, Lehre und auch Wirtschaft in der Arbeit an einem Problemfeld zusammenbringen. Eine zweite Änderung, die im neuen Namen sinnfällig wird, ist die noch stärkere internationale Ausrichtung Kölns. So können seit 2001 Studierende nach dem Vordiplom sich für einen Masterstudiengang in »European Studies in Design« bewerben und sich durch je einjährige Ausbildungsstationen an zwei der sechs europäischen Partnerhochschulen, etwa dem Politecnico di Milano oder der Glasgow School of Art, auch international qualifizieren und den interkulturellen Dialog erproben. »Networking« heißt auf Neudeutsch, was sich auch in einer weiteren Neuerung offenbart: Eine enge Kooperation mit der australischen University of Western Sydney, mit der zusammen ab 2003 ein Ph.D.-Studiengang in Design sowie Seminare im Netz angeboten werden sollen (siehe auch Einstweilen kam bei der einwöchigen Eröffnungsveranstaltung das sonore »Ladies and Gentlemen!« des Gründungsdekans und smartesten Conférenciers der KISD, Michael Erlhoff, ganz selbstverständlich über die Lautsprecher und orchestrierte die Kölner Zukunftsvisionen. Ob aus der Verheißung dereinst eine Erfüllung wird, bleibt offen – die notwendigen Potenziale sind vorhanden. Das war in der Jubiläumswoche aber erst einmal egal, denn da wurde gefeiert. Und so heißt es eben: Happy Birthday! Und: KISD alaaf! |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||