Prothetische Screens? Modi des Tastens und der verkörperten Wahrnehmung in virtuellen und 3D-Raumerfahrungen

Immersion als eine entgrenzte wie auch verkörperte Raumerfahrung stellt einen zentralen Aspekt dispositiver Anordnungen in der Kunst dar: Von Camera Obscura-Experimenten über Panoramen bis hin zu 360°-Screen-Installationen. Die ästhetischen Rezeptionsmodi des medialen Eintauchens in Bilder und Räume werden in künstlerischen Arbeiten jedoch oftmals unterwandert, fragmentiert und gebrochen, um ihre (Überwältigungs-)Verfahren offenzulegen. Mediale Wahrnehmung in diesen Installationen ist per se eine prothetische, da das Sehen apparativ durch miniaturisierte Screens, Head-mounted Displays oder 3D-Brillen vermittelt wird. Der Einsatz dieser Dispositive geht sowohl mit einer Erweiterung durch virtuelle Umgebungen, als auch – alternativ zu Filminstallationen – mit Absorption der Sicht und Betrachterperspektive eines zu ertastenden Raums einher. Dem Vortrag wird demnach die Frage vorangestellt, inwiefern VR und 3D-Settings für die Kunst inaktive Verkörperungserfahrungen eröffnen, ob mit Fragmentierungen auch innerhalb einer immersiven Umgebung gearbeitet wird und welche Funktion Architektur dabei zukommt.

Lilian Haberer

Studium der Kunstgeschichte, Italianistik und Philosophie in Köln mit Gastsemester an der Università La Sapienza, Rom und Forschungsaufenthalten für Recherchen an der Bibliotheca Hertziana und im Archivio Segreto, Rom. Nach einem Volontariat am Museum Ludwig und der wissenschaftlichen Assistenz für Rosemarie Trockel arbeitete sie an diversen kuratorischen Projekten für Museen und leitete mit Regina Barunke den Ausstellungsraum »Projects in Art & Theory«. Von 2007 bis 2014 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin des DFG-Projekts »Reflexionsräume kinematographischer Ästhetik« und von 2011 bis 2016 als wissenschaftliche Assistentin für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln tätig. Seit Herbst 2015 ist sie Teil des Projektteams »Labor für Kunst und Forschung: Mass Observation 2.0« an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Kölner Universität. In ihrem nahezu fertiggestellten Habilitationsprojekt befasst sie sich mit Modernereflexionen und architektonischen Konfigurationen in installativen Räumen der Gegenwartskunst. Seit April 2016 vertritt sie die Professur Kunst im Medialen Kontext an der Kunsthochschule für Medien, Köln.