Die Öffentlichkeit der Kultur

An der Fakultät für Kulturwissenschaften ist im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes PLan_CV ein Career Cluster zum Ausbau hochschulübergreifender Kollaborationen eingerichtet worden. Im Zuge des Clusters konzipieren Forscher:innen der TH Köln im Austausch mit der Universität zu Köln und der Kunsthochschule für Medien in Köln eine Kulturwissenschaft in Praxisperspektive.

Der Career Cluster untersucht, wie die Genese und Zirkulation kulturwissenschaftlichen Wissens, auch mit Blick auf die forschende Gestaltung von Artefakten, durch das Schaffen und Einbeziehen von akademie- und hochschulüberschreitenden Öffentlichkeiten weiterentwickelt werden können. Kulturwissenschaftlich orientierte Forscher:innen und Gestalter:innen gehen oftmals immer noch von top-down-Modellen aus – Begriffe wie „Outreach“, „Vermittlung“, „Transfer“ oder „Wissenschaftskommunikation“ sind dafür symptomatisch –, welche die Austauschbeziehungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit weitgehend als eindirektionalen Vorgang verstehen. Öffentlichkeiten sind jedoch keine passiven Instanzen, sondern beziehen alle jene ein, die an kulturellen Produktionen mitwirken – als Produzent:innen wie als Rezipient:innen.

Wir denken Öffentlichkeiten performativ als ästhetisch-politische Praxen. Der Cluster möchte Kooperationen mit jenem breiten Arsenal an Akteur:innen sichtbar machen und ausbauen, die Kulturproduktion, sei es in Form von Texten, Dokumenten, Bildern, Objekten oder Räumen sowie anderen Artefakten, schon immer mitgestaltet haben. Uns interessiert, wie sich durch Kooperation neue Wege finden lassen, gesellschaftlich relevante Forschungsthemen zu identifizieren, zu bearbeiten und zu kommunizieren.

Wir möchten die oftmals versteckten Strukturen und Bedingungen, unter denen sich kollaborative Prozesse konstituieren und durchgeführt werden, freilegen. Dies betrifft verinnerlichte Regelsysteme ebenso wie symbolische Ordnungen und Wissenshierarchien, die innerhalb von Kollaborationen (implizit oder explizit) ausgehandelt werden. Der Cluster erkundet, welche Bedingungen geschaffen, Regeln definiert und Mechanismen verstanden werden müssen, um eine kooperative Kulturwissenschaft zu entwickeln. Wir möchten die Gründe für eine Marginalisierung von Öffentlichkeiten untersuchen, Konzepte des Empowerments entwerfen und die Konflikte rund um deren Implementierung in die Institutionen der Zukunft analysieren und moderieren lernen. Nur so, das ist unsere These, lässt sich eine methodisch substantiell neue Kulturwissenschaft entwerfen und etablieren.

Fragen des Clusters werden im Rahmen von gemeinsam konzipierten Tagungen, Ausstellungen und Publikationen verfolgt und weiterentwickelt.

Am 8. November 2023 findet das hochschulübergreifende Symposium „Mit der Öffentlichkeit erinnern: Für eine kooperative Kulturwissenschaft“ statt. Die Veranstaltung hat zum Ziel, anhand ausgesuchter Beispiele neues Wissen über die Dynamiken von kooperativem Arbeiten in der Erforschung und Gestaltung von Erinnerungskultur zu erzeugen.

Mitglieder

Dr. Philipp Bojahr (Cologne Game Lab, TH Köln)
Prof. Dr. Gabriella Cianciolo Cosentino (Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln)
Sonja Gaedicke, M.A. (Institut für Geschlechterstudien, TH Köln)
Prof. Marco Hemmerling (Fakultät für Architektur, TH Köln)
Prof. Dr. Carolin Höfler (Köln International School for Design, TH Köln) [Sprecherin] Prof. Dr. Ulrike Lindner (Historisches Institut, Universität zu Köln)
Prof. Dr. Sandra Kurfürst (Institut für Ethnologie, Universität zu Köln)
Prof. Dr. Regina Urbanek (Cologne Institute of Conservation Sciences, TH Köln)
Dr. Alexander van Wickeren (Wissenschaftliche Koordination, Fakultäten für Kulturwissenschaften & Architektur, TH Köln)
Prof. Andreas Wrede (Köln International School for Design, TH Köln)
Prof. Dr. Martin Zillinger (Institut für Ethnologie, Universität zu Köln)