Die TH Köln fördert das Designforschungsprojekt »Erinnerungskulturwerkstatt: Koloniale Spuren« des Studierenden Darío Morazán in Kooperation mit dem KISD-Masterabsolventen Byron Co und weiteren Partner:innen. Mit dem Transferfonds unterstützt die TH Köln Lehrforschungsprojekte, die eine Brücke zwischen Hochschule und der Gesellschaft schlagen, indem sie verschiedene Disziplinen miteinander verknüpfen. Hierbei beschäftigen sich Studierende intensiv mit aktuellen Forschungsthemen und arbeiten an der Entwicklung von Fragestellungen, Methoden und Entwürfen.

Die »Erinnerungskulturwerkstatt: Koloniale Spuren« ist ein einjähriges Lehrforschungsprojekt des KISD-Studierenden Darío Morazán in Zusammenarbeit mit dem Medienwissenschaftler Jens Fehrenbacher, dem Historiker Fabian Lipki, dem KISD-Masterabsolventen Byron Co und in Kooperation mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum Köln, dem Swakopmund Genocide Museum in Namibia, dem Stadtmuseum Düsseldorf sowie weiteren kolonialkritischen und entwicklungspolitischen Vereinen.

Das Projekt beleuchtet die Rolle Kölns und Düsseldorfs im ›kolonialen Projekt‹ des Deutschen Reiches und untersucht Familien, Unternehmen, Institutionen und Organisationen, die direkt oder indirekt von den deutschen Kolonien und den kolonialen Bestrebungen des Deutschen Reiches profitierten bzw. davon betroffen waren. In Köln werden koloniale Denkmäler, Architekturen und Stadträume untersucht, wie der Bismarckturm am Bayenthalgürtel, die Flora, das Staatenhaus in Deutz sowie das sogenannte Afrikaviertel in Nippes. In Düsseldorf stehen der Zoopark (ehemaliger Düsseldorfer Zoo), das Gelände des ehemaligen »Arabischen Cafés« an der Graf-Adolf-Straße und das Kolonialkriegerdenkmal am Frankenplatz im Fokus.

Da der Denkmalschutz bauliche Eingriffe in koloniale Erinnerungsräume und -artefakte kaum zulässt, bleibt an diesen Orten, wenn überhaupt, nur die Kontextualisierung durch eine Informationstafel. Diese fehlt jedoch in vielen Fällen gänzlich oder wird inhaltlich der komplexen Problematik des multidirektionalen kolonialen Erinnerns nicht gerecht. Aus diesem Grund verlagert das Projekt die Kontextualisierung des kolonialen Erbes im Rheinland in den hybriden virtuell-urbanen Raum.

Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung einer Augmented-Reality-Anwendung für mobile Endgeräte, die die unterschiedlichen Verstrickungen der beiden Städte während und nach der Zeit des deutschen Kolonialismus erfahrbar macht. Die Anwendung soll auch Vorschläge für virtuelle Veränderungen und Ergänzungen der Erinnerungsartefakte machen, um den Diskurs über das deutsche koloniale Erbe zu fördern. Performative Elemente, welche die Aufmerksamkeit anwesender Dritter erregen, ergeben sich durch die Nutzung der AR-Anwendung an den jeweiligen Erinnerungsartefakten, durch die Suche nach kolonialen Spuren sowie durch den Austausch der Nutzer:innen vor Ort.

In transdisziplinären Kurzprojekten und Workshops mit Studierenden der TH Köln, der Universität zu Köln sowie interessierten Bürger*innen und den Partnerinstitutionen werden Prototypen für die AR-Anwendung entwickelt und getestet. Darüber hinaus findet im Rahmen des Lehrforschungsprojekts am 22. Mai 2024 ein öffentlicher KISDtalk von Dr. Fabiola Arellano Cruz, der Leiterin des »Bereichs Bildung und Vermittlung« des Rautenstrauch-Joest-Museums Köln, statt.

Mit den Erkenntnissen aus den Kurzprojekten und den Workshops wird schließlich der erste Prototyp der AR-Anwendung entwickelt. Zur Präsentation des Projekts finden eine öffentliche Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf sowie öffentliche kolonialkritische Denkmalführungen in Köln und Düsseldorf unter Einbeziehung der AR-Anwendung statt.

Die »Erinnerungskulturwerkstatt: Koloniale Spuren« folgt mit seinem praxisorientierten Forschungsansatz dem Leitziel der TH Köln, soziale Innovationen zu gestalten. Das Projekt leistet einen aktiven Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und schafft einen öffentlichen Raum für Dialog und Reflexion über postkoloniales Denken und Handeln.

 

KISDtalk
Principles of Decolonial Education and Museum Practice
von Dr. Fabiola Arellano Cruz, Rautenstrauch-Joest-Museum Köln
Zeit: 22. Mai 2024, 17:30 – 19:00 Uhr
Ort: KISD, Ubierring 40, 50678 Köln, Raum 11

Bild: Die Statue des deutschen Kolonialherren Curt von Francois in Namibias Hauptstadt Windhoek wurde am 23. November 2022 entfernt, nachdem lokale Aktivisten Druck auf die Stadtbehörden ausgeübt hatten (Foto: Julia Runge / AFP).