Art des Projekts

Lehrforschungsprojekt

Betreuung durch

Open Universities – Feminist City

Guest Lecturer(s)

Yvonne Lober

Teilnehmer

In einem kollektiven Workshop erprobte die Medienkünstlerin Johanna Steindorf gemeinsam mit den Teilnehmer:innen das künstlerische Format des Audio-Walks als experimentelle Methode der Stadtforschung unter feministisch-intersektionaler Perspektive. In den Fokus rückte hierbei das Hören als Erkundungs- und Interventionsverfahren.

Der Audio-Walk schafft verschiedene Zugänge zum Stadtraum: Während man durch die Stadt geht, werden über Kopfhörer unterschiedliche Inhalte eingespielt, die auf die jeweils spezifischen Orte angepasst sind. Das Klangliche beeinflusst unmittelbar das, was mit den anderen Sinnen wahrgenommen wird. Wie eine Art »Augmented Reality« verändert das Gehörte die Umgebung und bestimmt, wie diese erfahren wird. Auf diese Weise entsteht eine Vorstellung von Stadt, die betont, dass Stadt in situative Kontexte und in soziale Gruppen eingebettet ist und dass Stadtwissen in diesen Situationen aktiv von den Hörenden in Interaktion mit dem urbanen Kontext und anderen Personen konstruiert wird.

Im Projekt „Feminist City« wurden urbane Räume Kölns unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Dimensionen „Geschlecht“ analysiert und in Form von Audio-Walks erfahrbar gemacht. Das gleichnamige Buch Feminist City: Claiming Space in a Man-made World (2021) von Leslie Kern diente hierbei als Ausgangspunkt. In Feminist City nimmt Kern Machtstrukturen in den Blick, die in öffentlichen Räumen wirksam werden und auf soziale Ungleichheiten hinweisen. Sie fragt danach, welche Alltagsroutinen bei der Planung städtischer Räume im Vordergrund stehen und welche vernachlässigt werden. Wie wird verschiedenen Körpern und Identitäten der Zugang zum Stadtraum ermöglicht oder eben erschwert? Welches Potenzial hat eine Stadt, die Lebenssituation ihrer Bewohner:innen zu verbessern? Wie sieht eine feministische Stadt aus?

In Auseinandersetzung  mit Kerns Beobachtungen urbaner Räume und ihren Thesen zu einer feministischen Stadt sind vier Audio-Walks entstanden, die untersuchen, wie Frauen städtische Räume in Köln erleben. Die GPS-lokalisierten Walks wurden in Teams von drei bis vier Teilnehmer:innen unter Zuhilfenahme der App Guidemate entwickelt, wobei die Themen auf Kapiteln aus Kerns Buch beruhen: »Stadt der Angst«, »Stadt der Freundinnen«, »Stadt der Einzelnen« und »Stadt der Männer«. Die Audio-Walks versuchen, diese spezifischen Perspektiven auf die Stadt (be)greifbarer zu machen und jene Machtmechanismen aufzuzeigen, die über Raumaneignung und -nutzung der jeweils adressierten Personenkreise verhandelt werden. Sie machen deutlich, wie sehr die Erfahrung des Stadtraumes dadurch definiert ist, wie unser Körper aussieht, wahrgenommen wird, wie er sich bewegt und von welchen Vorerfahrungen er geprägt ist. In den Audio-Walks sind auch partizipative und spielerische Elemente enthalten, welche die Hörenden zu Interaktionen auffordern.

Öffentliche Präsentationen der Walks:
Fr., 2. Dezember 2022, 13.15 Uhr und 16.00 Uhr, Treffpunkt Köln International School of Design, Ubierring 40, 50678 Köln

Organisiert von Dr. Johanna Steindorf mit Yvonne Lober im Austausch mit Sonja Gaedicke (Institut für Geschlechterstudien, TH Köln), FrauenMediaTurm – Feministisches Archiv und Bibliothek sowie Decolonize Cologne.

Eine Veranstaltung der »Open Universities« der TH Köln und der Universität zu Köln, gefördert von der RheinEnergie Stiftung im Rahmen des Schwerpunktthemas »Gesellschaft und digitale Transformation«.

Audio-Walk I
»City of Fear« (12:48 min) von Citraningsih Sophia Amongsari, Malte Maximilian Kern, Özlem Gelgec
Audio-Walk II
»City of Friends« (14:20 min) von Kira Liedtke, Celina Schmidt, Francis Enie Trogemann
Audio-Walk III
»City of One« (6:00 min) von Emma Marlen Kohlemann, Julia Demirsoy, Nils Benjamin Selman, Lisa Stoffels
Audio-Walk IV
»City of Men-Made Audio« (14:05 min) von Mai Albattat, Yining Jin, Juliana Gutierrez Cática

Johanna Steindorf

Die Medienkünstlerin Johanna Steindorf beschäftigt sich mit Themen der Migration, Nomadentum, Gender, dem Wahrnehmen und Wahrgenommen-Werden im öffentlichen Raum und mit der hierzu korrespondierenden Konstruktion des Privatraumes. Das Reisen durch und Leben in verschiedenen Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas prägen die Arbeiten der in Quito geborenen Deutsch-Brasilianerin, was sie oftmals unter Verwendung narrativer und mobiler Strategien durch partizipative Performances, Audio, Video und Fotografie zum Ausdruck bringt. Sie hat Kommunikationsdesign an der PUC- Rio de Janeiro und audiovisuelle Medien an der Kunsthochschule für Medien Köln studiert. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit Speaking from Somewhere: Der Audio-Walk als künstlerische Praxis und Methode (2019) an der Bauhaus-Universität Weimar hat sich Johanna intensiv mit dem Audio-Walk auseinandergesetzt – sowohl theoretisch als auch praktisch – und lehrt seit 2015 an unterschiedlichen Hochschulen, vorzugsweise zum Audio-Walk, aber auch zu anderen Themen an den Schnittstellen zwischen Kunst, Gestaltung, Stadtraum und Forschung. https://johannasteindorf.de

Bild: Johanna Steindorf, Street Haunting, 2021.