In diesem Projekt tauchte die Designforscherin in das Arbeitsleben einer Feuerwehrkraft ein. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Wachalltag einer Feuerwehrkraft; ein Bereich, der in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist. Ziel der qualitativen Arbeit ist die Untersuchung der alltäglichen Tätigkeiten auf der Wache, die erheblichen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter*innen nehmen. Die Feuerwehrwachen in Deutschland haben mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen, aber alle haben eine gemeinsame Herausforderung: Mit den sich schnell ändernden Anforderungen von außen Schritt zu halten. Wenn Sie sich für das öffentliche Personalwesen, Methoden der Dienstleistungsgestaltung und den Rettungsdienst interessieren, dann finden Sie hoffentlich Antworten auf Ihre Fragen oder werden zu neuen Ideen inspiriert.

Die Feuerwehr nimmt einen ganz besonderen Stellenwert in der Gesellschaft ein, denn sie sichert auf besondere Weise die Grundrechte des Bürgers: Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und Eigentum. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Wachalltag einer Feuerwehrkraft. Ziel der qualitativen Arbeit ist die Untersuchung der alltäglichen Tätigkeiten auf der Wache, die erheblichen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter*innen darstellen. Im Rahmen der Arbeit wurden eine sechstägige Observation, drei Fokus-Gruppen-Workshops, drei Job-Crafting-Workshops, elf Interviews mit Feuerwehrleuten und drei aufgezeichnete Interviews mit Fachleuten durchgeführt. Die Daten wurden hinsichtlich einer Erfassung von Stärken und Schwächen mit Hilfe qualitativer Methoden ausgewertet. Es zeigte sich, dass einige Anwendungen und Werkzeuge für die Mitarbeitenden das Ziel einer administrativen Entlastung nicht bestmöglich unterstützen und als nicht sinnstiftend empfunden werden. Daraus resultieren Prozesse auf der Wache, die effizienter und sinnstiftender für die Mitarbeiter*innen gestaltet werden könnten. Es gilt herauszufinden, wie man den Arbeitsalltag an den Stärken und Bedürfnissen der Feuerwehrleute orientieren kann, um die Anpassung an die ständig wachsenden neuen Arbeitsanforderungen möglich zu machen.
Mit der Zunahme von Verwaltungsreformen, dem demografischen Wandel und dem Wachstum der Städte haben sich die Anforderungen an die Arbeit erhöht und verändert, während die internen Mechanismen weitgehend gleichgeblieben sind. Die Organisation ist mit ihren Kapazitäten fast vollständig ausgelastet und kämpft darum, nachhaltig stark zu bleiben und künftigen Generationen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. Um einen Wandel in der Organisation voranzutreiben, wurde das Konzept des Job Craftings verwendet. Es gibt zahlreiche Belege für die positiven Auswirkungen von Job Crafting auf die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten in unterschiedlichen Kontexten.
Diese Arbeit befasst sich demnach mit der Frage, ob Job Crafting bei einer Feuerwehrwache eine vielversprechende Methode sein kann, um die Motivation, Effizienz und Arbeitsfähigkeit zu steigern. Hierbei sind die Räume und Grenzen, in denen die Mitarbeitenden gestalten dürfen, Teil der Untersuchung. Die wichtigsten Erkenntnisse führten zur Entwicklung eines Konzepts für ein Portal, das Werkzeuge für eine nachhaltig wandlungsfähige Feuerwehr bereitstellt. Ziel dieser qualitativen Studie ist es, die alltäglichen Abläufe auf der Wache zu untersuchen, die maßgeblich die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter beeinflussen.
Erste Forschungsfrage : “Wie kann eine Gestaltung der Tätigkeiten im Wachalltag die Motivation der Mitarbeiter*innen fördern und ihre Gesundheit nachhaltig stärken?

Finale Forschungsfrage: “Wie kann es den Mitarbeiter*innen erleichtert werden, ihre Arbeit proaktiv zu gestalten, um den hohen Arbeitsanforderungen gerecht zu werden?”

Vorrausschauende Forschungsfrage: “Wie kann man fördernde Rahmenbedingungen für proaktive Arbeitsgestaltung (JC) schaffen?”

Methodik:
Fallstudie mit Aktionsforschung

Es handelt sich bei dieser Arbeit um eine Fallstudie, bei der Schlussfolgerungen auf der Grundlage sozialwissenschaftlicher Methoden erhoben wurden. Die vier verwendeten Methoden sind Observation, Interviews, Fokusgruppen-Workshops und “Design- Probes”. Im Allgemeinen werden in der Studie bestimmte Ereignisse untersucht, die sich nur auf der Wache ereignen. Es wird erörtert, was und warum diese Ereignisse geschehen. Aktionsforschung kombiniert “Aktion” und “Forschung” (Elliott, 1991), und bezeichnet eine praxisnahe Wissenschaft, bei der die Praxis und Forschung nicht als getrennte Phasen betrachtet werden, sondern miteinander integriert sind (Somekh, 1995). Bei dieser Methodik führen Praktiker die Forschung entsprechend den Herausforderungen in realen Arbeitssituationen durch. Als Aktionsforscher*in nimmt man die Rolle einer Beobachter*in und Moderator*in ein, die in dieser Studie in Form der vier Methoden geschieht. Als Autorin dieser Arbeit glaube ich an den Akt der Erkenntnis durch den Prozess. Deshalb ist dieses Projekt ein konstruktives Designforschungsprojekt. Die Datenerhebung basiert auf der gesammelten Erfahrung, den Beobachtungen und dem geteilten Wissen der Mitarbeitenden. Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Entwicklung eines Konzepts zur Unterstützung von proaktiver Arbeitsgestaltung. Die Untersuchung begann im September 2021 mit theoretischer und praktischer Forschung, gefolgt von problemorientierten Workshops mit Feuerwehrleuten in Deep Lake City. Es folgte eine weitere Recherche-Phase, die mit der Entwicklung eines zweiten Workshops kombiniert wurde, der das Job Crafting (Arbeitsgestaltung) auf den Feuerwachen erleichtern sollte. Dieser wurde dann im Oktober 2022 in der Feuerwache in Green Field getestet. Da der Forschungsansatz und die Datenerhebung auf der Aktionsforschung beruhen, sind die Ergebnisse nicht endgültig und können noch weiter überarbeitet werden.

Erkenntnisse:

In diesem Projekt wurden zwei Hypothesen untersucht:
(A) Die Feuerwehrkräfte sind nicht mit bestmöglichen Mitarbeiteranwendungen und Werkzeuge zur administrativen Entlastung ausgestattet, was sich negativ auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt.
(B) Job Crafting-Methoden (Arbeitsgestaltung) bieten eine Möglichkeit, das Arbeitsleben der Feuerwehrleute sinnvoller und engagierter zu gestalten, was zu einer höheren Arbeitszufriedenheit führt.

Hypothese A wurde bestätigt, Hypothese B konnte nicht vollständig bestätigt werden. Die Begründungen für die einzelnen Ergebnisse finden sich in der dem Archiv vorgelegten Arbeit.

Die Ergebnisse führten zu der folgenden Schlussfolgerung: Die Gewährleistung einer nachhaltig starken und gesunden Belegschaft ist gleichbedeutend mit der Sicherung des Wohlbefindens der Feuerwehrkräfte. Um das Ungleichgewicht zwischen den Arbeitsanforderungen und den verfügbaren Arbeitsressourcen der Organisation zu balancieren, ist Job Crafting eine Lösung, die ihrer Zeit voraus ist. Um das volle Potenzial der proaktiven Arbeitsgestaltung auszuschöpfen, müssen zuerst fördernde Rahmenbedingungen für proaktive Arbeitsgestaltung (JC) geschaffen werden. Um dies zu erreichen, empfiehlt es sich, eine dauerhafte Beziehung zwischen Service DesignerInnen und der Personalabteilung der Stadt herzustellen. Alternativ können Mitarbeiter der Personalabteilung zu InitiatorInnen und Change Makern ausgebildet werden. Die Arbeit zeigt, wie das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen unter geringer Arbeitsautonomie ineffizienten bürokratischen Vorgängen und teilweise von der Arbeitskultur negativ beeinflusst wird. Die Versuche, sich dem Druck von außen anzupassen und der Innovation nachzuziehen, wurde von der Organisation nicht zureichend gelöst, und resultiert in hoher Arbeitsbelastung der Feuerwehrleute im Wachalltag. Wenn die Organisation die proaktive und individuelle Arbeitsgestaltung fördern möchte, ist es wichtig, dass die Führung diese Kultur vorlebt und unterstützt. Des Weiteren sollten die Mitarbeiter mit der notwendigen Autonomie befähigt werden, sich eigenständig an die Arbeitsanforderungen im Wachalltag anzupassen. Die Schaffung formeller Arbeitsgruppen für Arbeitsgestaltung sowie die Beratung über die Neugestaltung von Arbeitsplätzen ist demnach zwingend notwendig. Diese Arbeit soll Dienstleistungsgestalter*innen, Personalratsmitarbeiter*innen, Führungskräfte und Feuerwehrmänner- und -frauen dazu motivieren, sich für eine wandlungsfähige Feuerwehr einzusetzen und sie zu einer zukunftssicheren Organisation zu machen.

Elliott, J. (1991). Aktionsforschung für pädagogischen Wandel. Milton Keynes, UK: Open University Press.
Somekh, B. (1995) The Contribution of Action Research to Development in Social endeavours: a position paper on action research methodology, British Educational Research Journal, S. 339-359.