Art des Projekts

Lehrforschungsprojekt

Betreuung durch

Prof. Dr. Carolin Höfler

Guest Lecturer(s)

Bärbel Lange, Jutta Pöstges, Lukas Hamilcaro, Yvonne Lober & Fabian Blum

Teilnehmer

Das Projekt »Schutz – Räume, Tiere, Objekte« ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einer inklusiven Akademie in Köln, in der Künstler:innen und Designer:innen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenarbeiten. Es geht der Frage nach, wie es möglich ist, ein gestalterisches Terrain zu bereiten, das integrative Formen der gegenseitigen Unterstützung und Fürsorge fördert. Hierfür wurden Räume und Objekte untersucht und entworfen, die eine Schutzfunktion haben und ein solidarisches Zusammenarbeiten ermöglichen.

Das Projekt »Schutz – Räume, Tiere, Objekte« untersucht und fördert kreative und nachhaltige Modelle des inklusiven Lernens und Entwerfens in öffentlichen und hochschulischen Räumen. Es analysiert Verhältnisse von diversfähigen Körpern, Räumen und Objekten. Es ermöglicht informelle, selbstgesteuerte Lernerfahrungen durch gemeinsame experimentelle Gestaltungs- und Übersetzungsprozesse. Es aktiviert alle Körpersinne zur »selbst-reflexiven Öffnung für andere Weisen der Weltwahrnehmung« (Andreas Reckwitz, 2015). Es schafft nichthierarchische, kooperativ organisierte Lernräume.

Kern des Projekts ist ein Workshop mit dem interdisziplinären Team Bärbel Lange, Jutta Pöstges und Lukas Hamilcaro. Bärbel Lange ist Künstlerin mit Lernschwierigkeiten und arbeitet zu den Themen Kunst, Inklusion und Stadtentwicklung. In ihren Zeichnungen untersucht sie »Schutztiere« und schafft Kreaturen, die Menschen und Orte beschützen sollen. Sie arbeitet im Kunsthaus KAT 18 in Köln. Jutta Pöstges ist Künstlerische Leiterin des Kunsthauses KAT 18 und mit dem Verein KUBiST e.V. Initiatorin des inklusiven »Kunsthauses Kalk«. Lukas Hamilcaro ist Architekt und arbeitet mit raumlaborberlin im Projekt »Kunsthaus Kalk«. Seit 2020 gehört Lukas Hamilcaro dem Collectif Etc in Marseille an.

Seit 2017 arbeiten sie gemeinsam an der Konzeption und Realisierung der X-SÜD AKADEMIE, einer inklusiven Kunstakademie im Kunsthaus Kalk. Sie ist ein Format, das den Anspruch verfolgt, Künstler:innen mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu ermöglichen. Die gemeinsame künstlerische Produktion bietet diesbezüglich besondere Chancen, insofern sie gegenüber den Gegenständen anderer akademischer Felder Subjektivität und Erfahrungswissen als wertvolle Ressourcen anerkennt. Menschen, die aufgrund hierarchisierender Bewertungen kognitiver Differenz von gesellschaftlichen Ausschlüssen betroffen sind, können so eine Stimme im Diskurs erhalten. Eine Qualifizierung von erfahrenen Künstler:innen mit Beeinträchtigung als Dozent:innen für das Kunsthaus Kalk ist ein zentraler Baustein.

In Vorbereitung auf die Zusammenarbeit mit Bärbel Lange erforschten die Teilnehmer:innen kollaborative Prozesse der Gestaltung in einer Reihe von Experimenten. Hierbei ging es vor allem um Verfahren der Übersetzung von Sprache, Gestik, Klang und Bewegung in Zeichnungen, Performances und Objekte. Die Teilnehmer:innen sollten durch experimentelle Formate darin unterstützt werden, kritische Werkzeuge zu entwickeln, mit denen sie ihre gestalterische Arbeit gemeinsam vorantreiben können. Es galt herauszufinden, wie inklusive Lern-, Entwicklungs- und Teilhabeprozesse in der Kunst- und Design[aus]bildung gestaltet sein können, wie man von- und miteinander lernen kann und in welchen Lernräumen dies möglich ist.

Die erste Experimentierreihe LIVE TRANSMISSION befasste sich mit der Praktik des performativen Zeichnens als Verfahren der Beobachtung und Erfassung von Handlungen im urbanen Raum. Gegenstand der zeichnerischen Handlungen waren Bewegungen und Geräusche von menschlichen wie nicht-menschlichen Akteur:innen bei einer alltäglichen Tätigkeit. Gezeichnet wird gleichzeitig mit mehreren Stiften in beiden Händen. Aus einer vibrierenden Unzahl von Linien formieren sich so in seismografischer Genauigkeit die Dynamik der beobachteten Aktionen auf dem Papier.

Die zweite Experimentierreihe WALK! setzte sich mit dem Akt des gemeinsamen Gehens als »ZuGang« zur Stadt auseinander. Als gestalterische Praxis bringt das kollektive Gehen die Idee eines urbanen Raums hervor, der erst in der Bewegung und Interaktion mit anderen entsteht und neben physischen Räumen auch mentale und virtuelle Räume miteinschließt. Das gemeinsame Gehen in verschiedenen Gangarten und Schrittmustern sensibilisiert für eine körperliche Umgebungserfahrung und eine nichtsprachliche Kommunikation der beteiligten Akteur:innen.

Die dritte Experimentierreihe SELF-MOVING MATERIALS beschäftigte sich mit materiellen Artefakten, deren Entwicklung von Bewegung, Zufall, Formentzug, Nicht-Notwendigkeit und Kontingenz geprägt ist. Zum Einsatz kamen dabei flexible oder fluide Materialien, die ein Eigenleben aufweisen, so dass sich die gestalterische Tätigkeit auf die Bestimmung der Rahmenbedingungen fokussierte, unter denen sich die Materialien eigentätig formen sollten.

Auf der Grundlage dieser experimentellen Erfahrungen erarbeiteten die Teilnehmer:innen im anschließenden Workshop SCHUTZTIERE – SCHUTZRÄUME mit Bärbel Lange, Jutta Pöstges und Lukas Hamilcaro Entwürfe und Prototypen für vier verschiedene Räume im Gebäude der Köln International School of Design, die in safe spaces verwandelt wurden und die von dem kreativen Potenzial aller Beteiligten erzählen. Die Ergebnisse der Experimente und die vier Raumverwandlungen wurden in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert.

Ort: Köln International School of Design der TH Köln, Ubierring 40, 50678 Köln
Ausstellung: Fr., 9.12. / Sa., 10.12. / Mo., 12.12.2022, 11.00 bis 16.00 Uhr
Präsentation und Führung: Fr., 9.12.2022, 11.00 Uhr

Organisiert von Prof. Dr. Carolin Höfler mit Fabian Blum und Yvonne Lober in Kooperation mit Bärbel Lange (Kunsthaus KAT 18), Jutta Pöstges (KUBiST e.V. & Kunsthaus KAT 18) und Lukas Hamilcaro (raumlaborberlin & Collectif Etc, Marseille). Wissenschaftlich begleitet von Paula Kleine im Rahmen ihres Promotionsstudiums an der Universität zu Köln im Bereich der Heilpädagogik. Unterstützt von der Holzwerkstatt und des Textile Labs der Köln International School of Design der TH Köln.

Eine Veranstaltung der »Open Universities« der TH Köln und der Universität zu Köln, gefördert von der RheinEnergie Stiftung im Rahmen des Schwerpunktthemas »Gesellschaft und digitale Transformation«.

Abbildungen & Credits