In seiner Masterarbeit untersucht Felix Ahn, wie On-Demand-Dienstleistungsunternehmen den urbanen Raum tiefgreifend verändern. Auf der Grundlage designethnografischer Analysen untersucht er neue Formen der algorithmischen Organisation, Kontrolle und Überwachung von städtischer Arbeit und Mobilität und verweist auf die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen von solo-selbstständigen Plattformtätigen. Darauf aufbauend skizziert er die Umrisse einer entstehenden »city on demand«.

Die zunehmende Digitalisierung von Stadt und Gesellschaft führt zu grundlegenden Veränderungen des urbanen Raums. Immer mehr On-Demand-Dienstleistungsunternehmen operieren sowohl im physischen Gefüge als auch in der virtuellen Sphäre der Stadt und verändern so die Art und Weise, wie der urbane Raum wahrgenommen, genutzt und gestaltet wird. Die immer größer werdende Nachfrage und Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen an beliebigen Orten und zu beliebigen Zeiten bestimmen zunehmend, wer in der Stadt arbeitet und wie die Arbeit verrichtet wird, wer sich durch den öffentliche Raum bewegt und in welcher Weise und welche Bereiche zugänglich sind und für wen.

Unter Zuhilfenahme von Mappingverfahren und (foto-)grafischen Analysen erforscht Felix Ahn, wie sich On-Demand-Dienstleistungsunternehmen den städtischen Raum aneignen, wie sie ihn gleichermaßen physisch und virtuell beeinflussen, und wie sie hierdurch Wahrnehmung und Konstitution von Stadt verändern. In seiner Arbeit zeigt er auf, dass On-Demand-Dienstleister den urbanen Raum zu einem integralen Bestandteil der eigenen Unternehmensinfrastruktur machen, und dass das Erleben urbaner Wirklichkeiten in zunehmenden Maße von der Nutzung digitaler On-Demand-Angebote abhängt.

Die Zugänglichkeit zu On-Demand-Dienstleistungen und -Angeboten sind eingeschränkt. Nur wer über die nötige Hard- und Software sowie genügend finanzielle Mittel verfügt, kann E-Scooter oder Lieferdienste in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ziehen die Unternehmen großen Nutzen aus dem öffentlichen Raum und verwandeln ihn in eine exklusive Auslieferungs- und Distributionszone. Öffentlicher Raum wird zur Wertschöpfungsplattform umfunktioniert und existiert aus Sicht der Dienstleistungsunternehmen nur noch als eine Funktion der Zeit, die sie benötigen, um diesen zu durchfahren.

Die Arbeit mündet schließlich in der Frage nach widerständigen Praktiken gegen die zunehmende On-Demandisierung der Stadt und lotet Möglichkeiten einer teilhabe- und gemeinwohlorientierte Dienstleistungspolitik für die Stadt aus.

Bilder: Felix Ahn