In ihrer Bachelorarbeit »PRO:PER – Produktivitätsperspektiven« im Lehrgebiet »Designtheorie und -forschung« entwickelte Luna Smolka eine materielle Infrastruktur zur Aktivierung des Körpers, um die tiefgreifenden Folgen des zunehmenden kollektiven Bewegungsmangels abzuwenden.

»Der moderne Mensch wohnt im Stuhl.«

Die kritisch zu hinterfragende Norm des Sitzens auf Stühlen verursacht die größten gesundheitlichen Probleme der Gegenwart und destabilisiert das globale Gesundheitssystem. Insbesondere mit Blick auf den coronabedingten Bewegungsverzicht wird offensichtlich, dass ein Wandel des kollektiven Sitzverhaltens von zentraler Bedeutung für eine funktionierende Gesellschaft ist. Dazu müssen neue Infrastrukturen geschaffen werden, die das individuelle Körperbewusstsein fördern und regelmäßige Positionswechsel unterstützen. Diesem Anliegen gilt die Arbeit »PRO:PER«. Sie geht von der grundlegenden Frage aus, wie sich Artefakte und Environments erzeugen lassen, die physiologische und psychologische Alternativen zur sitzenden Gesellschaft eröffnen.

Mithilfe von Funktionsmodellen im Maßstab 1:1 wurden modulare Systeme entwickelt, die mit verschiedenen Neigungswinkeln operieren und so den stehenden oder sitzenden Körper dynamisieren. In einer Reihe von Experimenten wurden die Module mit Proband:innen getestet, in Kooperation mit Physiotherapeut:innen ausgewertet und sukzessive verbessert. Der hieraus hervorgegangene Entwurf bildet eine Rauminstallation im Schnittfeld von Architektur, Produktdesign und Kunst. Zusammengesetzt zu einem Gefüge ergeben die Modulsysteme einen körperlich intensiv erfahrbaren, flexiblen Modellraum, der auf die Verbesserung des physischen und psychischen Wohlbefindens sitzender und stehender Menschen in Arbeitsprozessen zielt.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit mit der Physiotherapeutin und Osteopathin Ute Wolf.

Mit speziellem Dank für die technische Unterstützung von Sebastian Heilmann, Gerd Mies, Eduard Paal, Andre Freiha und Julius Walsch

Bilder: Luna Smolka