Die Aufzeichnung von Katastrophen ist kein neutraler Vorgang, sondern ein gestalterischer Prozess. Erinnerungen an Krisensituationen lassen sich nicht einfach „aufschreiben“ – sie müssen in Formen übersetzt werden, die Fragmentierung, Schweigen und Körperlichkeit bewahren. Diesem Anspruch widmete sich das Entwurfs- und Rechercheprojekt „Flood Memories – Mapping Environmental Crises“ an der Schnittstelle von Design, Architektur, Erinnerungs- und Krisenforschung.
Das Projekt „Flood Memories“ versteht die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 nicht als abgeschlossenes historisches Ereignis, sondern als dynamischen Raum der Erfahrung und des kollektiven Gedächtnisses, den es neu zu vermessen gilt. Jenseits klassischer Kartografie entwickelten die Projektteilnehmer:innen aus Design und Architektur experimentelle Mappingverfahren, die politische, kulturelle und soziale Dimensionen der Katastrophe in ihrer Komplexität sichtbar machen. Durch Open-Source-Recherchen, Vor-Ort-Interviews, Dokumentenanalysen und digitale 3D-Modelle de- und rekonstruieren sie räumliche Strukturen, zeitliche Dynamiken sowie Kommunikations- und Erinnerungsprozesse. Dabei entstehen „Gegenkarten“, die bisher ungehörte Perspektiven auf Erfassung, Erfahrung und langfristige Folgen der Katastrophe freilegen – und dabei idealisierte Narrative sowie romantisierende Landschaftsbilder des Ahrtals hinterfragen. Gleichzeitig analysieren sie Wiederaufbaupläne auf soziale und ökologische Implikationen und erkunden neue Allianzen zwischen menschlichem Handeln, natürlichem Raum und kulturellem Erbe. Das Ergebnis ist ein lebendiger Gedächtnisspeicher: experimentelle Karten und Zeichnungen als partizipative Wissensplattform, die Flut- und Landschaftswissen inklusiv, zugänglich und dialogisch vermittelt.
Das Projekt wurde von Prof. Dr. Carolin Höfler und David Sieverding (Designtheorie und -forschung) konzipiert und schließlich in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert.
- Ausstellung: 27.–29. Januar 2026, täglich 14:00–18:00 Uhr
- Ort: TH Köln, KISD, Ubierring 40, 50678 Köln, Raum 240
- Präsentation: 29. Januar 2026, 14:00 Uhr
Das Projekt entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Career Clusters „Participatory Memory“ (PLan_CV) und in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der TH Köln (Prof. Dr. Tilly Laaser), der Fakultät für Architektur sowie dem MA „Spatial Strategies“ (TH Köln) und der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler (Heike Wernz-Kaiser, Städtische Sammlung/Stadt- und Kulturgeschichte).
Beispielhafte Mappings:
Henrike Hof & Till von Pock, Zwischen Wissen und Warnung, 2026
Lucie Wernecke, The Flood, 2026
Fotos: Patrick Schwarz, KISD Fotostudio & Aaron Siermann
































































