Johanna Mehls Dissertation „Seeing the World Through Process Eyes: A History of Designers as Problem-Solvers“ widmet sich der Ideengeschichte des Designs als universell einsetzbarem Problemlösungsmodell. An der Schnittstelle von Designtheorie, Kulturwissenschaft, Architekturgeschichte sowie Science and Technology Studies (STS) nutzt sie das Paradigma des „Prozesses“ für eine kritische Reflexion lösungsorientierten Designs.

Im Juli 2026 hat Johanna Mehl, ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der KISD der TH Köln und Ko-Herausgeberin des Buches Attending [to] Futures: Matters of Politics in Design Education, Research, Practice, ihre Dissertation erfolgreich verteidigt. Für Ihre Arbeit mit dem Titel Seeing the World Through Process Eyes: A History of Designers as Problem-Solvers erhielt sie das höchste Prädikat „summa cum laude“. Betreut wurde die Dissertation von Prof. Dr. Orit Halpern (TU Dresden), Prof. Dr. Carolin Höfler (TH Köln) und Prof. Greg Castillo, Ph.D. (University of California, Berkeley).

Mehls zentrale These lautet, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit Environmental-Design-Praktiken und -Konzepten, die sich Ende der 1960er und in den 1970er Jahren an der University of California in Berkeley herausbildeten, eine aktuelle, kritische Perspektive auf die Rolle von Design in globalen Krisen eröffnet. Ihr Anliegen ist es, die technologische Designlösung als vermeintlich selbstverständliche Antwort auf globale Herausforderungen zu dekonstruieren und ihre historische Kontingenz und epistemologischen Voraussetzungen offenzulegen.

Ausgehend von der Gestaltung als aufstrebende Disziplin der Nachkriegszeit rekonstruiert sie einen epistemologischen process turn, der ab Mitte des 20. Jahrhunderts die intellektuelle Landschaft – namentlich die Kybernetik – nachhaltig umgestaltete. Dieser Wandel markierte einen Übergang: von der Suche nach „wahr“ oder „falsch“ hin zu einem operativen Verständnis von Funktionsweisen. Wissenschaftliche Forschung verschob sich damit von der Bestimmung absoluter Wahrheiten zum Erfassen von Prozessen – ein Paradigmenwechsel, der epistemologische und professionelle Lücken schuf. Diese Lücken wurden, wie Mehl zeigt, durch neue Figuren an der Schnittstelle von Design und Kybernetik gefüllt – etwa durch Buckminster Fullers Vision eines comprehensive designer. Diesen Designfiguren wurde ein besonderes Gespür für zugrundeliegende Prozesse, Mustererkennung und kreatives Denken zugeschrieben. Ihr Tätigkeitsfeld erweiterte sich dabei vom Gestalten industrieller Lebenswelten hin zur Planung globaler Systeme: Nicht mehr einzelne Objekte, sondern der Planet selbst und die Strukturierung globaler Prozesse und Governance wurden zum Gegenstand ihres Wirkens. Mehls historische und kontextuelle Analyse erweist sich damit als unverzichtbarer Schlüssel, um die aktuellen Krisen des Designs zu verstehen – ein Feld, das bis heute zwischen Verbesserungswillen und design fix oszilliert und sich fragt, wie es sich vom Komplizen globaler Krisenzum aktiven Gestalter ihrer Bewältigung entwickeln kann.

Wir gratulieren Johanna Mehl herzlich zu dieser hervorragenden Leistung.

 

Bild: Johanna Mehl