Das Masterprojekt „Unfolding Space“ des KISD-Studenten Jakob Kilian untersucht in Kooperation mit dem ZEISS Vision Science Lab der Uniklinik Tübingen eine Open-Source-Sehprothese in Form eines Handschuhs. Das Projekt baut dabei auf der mit dem Kölner Designpreis und internationalen Preisen ausgezeichneten Bachelorarbeit Kilians auf, in welcher bereits die erste Version dieser Prothese konzipiert und entwickelt wurde. Eine überarbeitete Version wird nun seit Anfang August in einer Studie mit blinden wie sehenden Versuchspersonen getestet. Für Entwicklung und Produktion eines widerstandsfähigen Prototypen für diesen Zweck erhält das Projekt zudem eine Förderung durch das Programm Kickstart@TH-Köln 2021.

Bei dem 2018 von Kilian entwickelten Device handelt es sich um einen speziellen, mit Vibrationsaktuatoren ausgestatteten Handschuh, der das Bild einer 3D-Kamera als Vibrationsmuster auf den Handrücken projiziert und es damit Nutzer:innen erlaubt, die räumliche Beschaffenheit ihrer Umgebung haptisch zu erkunden. Der Handschuh macht sich dabei das Prinzip der “Sensorischen Substitution” zu Nutze: Dieses besagt vereinfacht, dass das Gehirn in der Lage sei, Sinnesreize, die aufgrund von Beeinträchtigungen der sensorischen Peripherie nicht wahrgenommen werden können, mittels einer anderen Sinnesmodalität aufnehmen bzw. substituieren zu können. Die Idee, auf diesem Weg blinden Menschen die Navigation und das Erkennen von Hindernissen zu erleichtern und ihnen somit den Alltag ein wenig zu erleichtern, blickt auf eine lange Tradition zurück. Doch trotz zahlreicher Forschungsprojekte und Entwicklungen gibt es bis heute keine weitverbreiteten Hilfsmittel, die das Konzept in die Praxis übersetzen konnten. An dieser Stelle setzte Killians Bachelorarbeit an: Der Handschuh sollte günstiger sein, als bisherige Entwicklungen, sollte schnell erlernbar sein, ein hohes Maß an Nutzungsfreude auslösen und nicht zuletzt ästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Die Arbeit und die Baupläne wurden zudem als Open Access und Open Source / Hardware veröffentlicht, um die Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und Anreiz für weitere Forschung am Thema zu schaffen.

Im Rahmen seiner Masterarbeit führt Kilian nun eine Studie mit 14 Versuchspersonen in Kooperation mit dem ZEISS Vision Science Lab der Uniklinik Tübingen (Forschungsinstitut für Augenheilkunde) durch. Es wird dabei untersucht wie schnell die neuartigen Stimuli vom Gehirn erlernt werden können, wie groß der Nutzen der gewonnen Information für blinde Menschen sein kann und wie die Nutzer:innen die Handhabung des Devices bewerten. Zudem werden Aspekte herausgearbeitet, die bei einer weiteren Entwicklung des Handschuhs oder ähnlicher Devices von besonderer Bedeutung sind. Der Bau der Prototypen, die einer intensiven Nutzung über den Zeitraum mehrerer Wochen standhalten kann, wird zusätzlich vom Programm Kickstart@TH-Köln 2021 gefördert, einer Initiative der TH Köln, die vom BMBF finanziert wird. Sollten die Ergebnisse der Studie vielversprechend ausfallen, wird die Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift angestrebt.

Participants:

  • Jakob Kilian (Masterstudent & Untersucher)
  • Kjell Wistoff (Bachelorstudent & Assistenz)

Projektpartner:innen:

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